Sonntag im Weser-Kurier

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Antike Fahrzeuge der Hoyer Unternehmensgruppe auf dem Firmengelände in Visselhövede. Auf den neueren Tankwagen, die in Bremen unterwegs sind, prangt die Werder-Raute. Denn die Firma ist offizieller Tankpartner des Vereins. (Cora Sundmacher)

Hoyer vertreibt Mineralöle

Made in Niedersachsen in vierter Generation

Lisa Boekhoff 

Hoyer vertreibt Mineralöle in vierter Generation – und setzt jetzt auf Ad-Blue. Das Gemisch filtert bei Diesel-Fahrzeugen aus dem Abgas Stickstoffoxide und ist für Lkw schon Pflicht.

Heizöl und Diesel – hier im Gewerbegebiet in Visselhövede lagern mehrere Millionen Liter davon. Ein großer Teil der Treibstoffe ist in unterirdischen Tanks aufbewahrt. So schnell geht hier in der Rudolf-Diesel-Straße 1 niemandem der Sprit aus. Die Geschichte des Familienunternehmens Hoyer begann aber eigentlich ziemlich unmotorisiert: durch Muskelkraft. Seine ersten Kunden belieferte Gründer Wilhelm Hoyer mit dem Fahrrad. Der ehemalige Milchkontrolleur hatte gute Kontakte zu Landwirten. Im Januar 1924 nahm er ein Geschäft mit dem auf, was die Landwirte brauchten: Öle und Fette. Es lief so gut, dass er zur Auslieferung irgendwann aufs Motorrad umsteigen konnte.
Heilsalbe, Waschmittel, „Lederkreme“ und Bohnerwachs – die Produktpalette wuchs über die Jahre immer weiter. Heute vertreibt die Hoyer-Gruppe mit insgesamt 1500 Mitarbeitern vor allem Heizöl und Dieselkraftstoff. Vier Milliarden Liter sind es im Jahr.
Wer das Mineralstoffunternehmen besucht, wird überall mit seiner Geschichte konfrontiert. Auf dem Weg zur Kantine schlendern die 450 Mitarbeiter in Visselhövede vorbei an einer historischen ­Hoyer-Tankstelle mit alten Tankwagen. Die ­Kantine selbst ist eine Art Museum: Gegessen wird zwischen alten Zapfsäulen und Ölfässern. Von der Decke schaut Gründer Hoyer als Gemälde auf die speisende Runde hinab.


Millionen Liter Mineralöle lagert die Hoyer-Gruppe
in Visselhövede. Thomas Hoyer gehört zur
vierten Generation des Unternehmens.



Tankpartner von Werder Bremen
Auch sein Urenkel Thomas Hoyer sitzt hier mittags. Der 32-Jährige ist Gesellschafter des Unternehmens, zuständig für den Vertrieb und gehört mit seinen Brüdern Markus (28) und Stefan (26) zur vierten Generation der Firma. Gemeinsam mit ihrem Vater Heinz-Wilhelm, dem Chef, führen sie die Geschäfte.
Die Gruppe betreibt mittlerweile 250 eigene Tankstellen sowie Autohöfe, verkauft Propangas, das mit dem Zug ins Gewerbegebiet angeliefert wird, Holzpellets und Schmierstoffe. 2002 übernahm Hoyer die Firma Finke aus Bremen und baute die Marke aus, sodass die Schmierstoffe nun weltweit vertrieben werden. Mehr als 30000 Tonnen davon werden jährlich produziert. Speditionen oder Baufirmen gehören zu Hoyers 70000 Kunden aus Gewerbe und Industrie. Dazu kommen 200000 private Kunden – darunter wie zu Beginn Landwirte. „Egal wie groß der Kunde ist, wir beliefern ihn“, sagt Thomas Hoyer. Insgesamt habe der Umsatz der Gruppe im vergangenen Jahr bei 3,5 Milliarden Euro gelegen.
Besonders stolz ist seine Firma auf einen Kunden aus Bremen: Seit 2015 ist Hoyer ­offizieller Tankpartner von Werder Bremen. „Unsere Familie ist absoluter Fan, so wie ein Großteil der Belegschaft.“ Auf Tankwagen, die in der Hansestadt unterwegs sind, prangt deshalb eine Werder-Raute. „In Hamburg aber nicht. Das wäre kontraproduktiv“, sagt Hoyer und lacht. Er lebt in der Stadt an der Elbe.

Standorte im nord- und mitteldeutschen Raum
Ob Hamburg, Leipzig, Kassel, Ostfriesland oder Oldenburg, Hoyer hat auch dort Niederlassungen. 70 Standorte verteilen sich über den gesamten nord- und mitteldeutschen Raum. Das ist laut dem Vertriebler wichtig: „Der Kunde aus Bremen will in Bremen bestellen, der Kunde aus Weyhe in Weyhe, der Kunde aus Cuxhaven in Cuxhaven.“
In der Region um Bremen habe man beispielsweise fast 100 Mitarbeiter; fast alle Logistiker der Stadt gehörten zu ihren Kunden. Durch viele Lagerstätten sollen dabei die Wege kurz gehalten werden. „Wir gehen den anderen Weg. Wir sitzen wirklich vor Ort und beliefern selbst – vom Import der Mineralöle bis zum Kunden. Das unterscheidet uns von Marktbegleitern.“ Mehr als 500 Fahrzeuge seien dafür im Einsatz.
Der Standort Visselhövede sei dabei nicht nur aufgrund seiner Lage – genau in der Mitte des Dreiecks Hannover, Hamburg und Bremen – der richtige. Sondern auch, weil es hier genügend Platz gebe. „Wir konnten über die Jahrzehnte wachsen. In einer größeren Stadt gibt es irgendwann keine Fläche mehr.“

Zukunft liegt in Ad-Blue
Ad-Blue ist das neueste Produkt, von dem man sich bei Hoyer viel verspricht. Das Gemisch aus demineralisiertem Wasser und Harnstoffgranulat filtere bei Diesel-Fahrzeugen aus dem Abgas Stickstoffoxide. Um bestimmte Umweltklassen zu erreichen, sei es für Lkw schon Pflicht. In den nächsten Jahren würden zudem weitere Millionen Pkw mit einem Ad-Blue-Tank ausgestattet sein, ist man sich hier sicher. 32 Tank- und Sattelzüge seien schon jetzt ausschließlich mit diesem Produkt unterwegs.
„Wir sind mittlerweile Marktführer in Deutschland mit 25 Prozent Anteil“, sagt Hoyer. Expandieren wolle man mit weiteren Niederlassungen, vielleicht auch in Süddeutschland. Außerdem will die Gruppe noch in diesem Jahr mit der Strom- und Erdgasversorgung an den Markt gehen. Als Familienunternehmen sei jedoch organisches Wachstum der richtige Weg, sieht es Hoyer.
Mit der Firma sei er quasi groß geworden: „Ich wurde von der Pike auf an das Geschäft herangeführt. Als Jugendlicher musste ich nach der Schule zum Beispiel Öl und Gas abfüllen.“ Jeder der Söhne ist nun für einen Bereich verantwortlich: Stefan Hoyer für Fuhrpark und Werkstatt, Markus Hoyer für die Tankstellen und Thomas Hoyer für den Vertrieb. Doch wenn es um große Entscheidungen ginge, setze sich die ganze Familie zusammen. „So können wir Projekte schnell umsetzen.“ Zum Mittagessen treffen sich Hoyers oft in der Kantine. Der Urgroßvater wartet dort schon.
(Quelle: Weser-Kurier vom 8.5.2016)



 

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