Thomas Hoyer über seine Corona-Infektion

Foto 1 - Thomas Hoyer über seine Corona-Infektion



In der Rotenburger Kreiszeitung/Visselhöveder Nachrichten ist aktuell ein Interview mit Thomas Hoyer veröffentlicht worden, der nach seiner Corona-Infektion am Montag aus der Quarantäne entlassen wurde und seit Dienstag wieder an seinem Arbeitsplatz im Büro in der Zentrale seines Unternehmens in Visselhövede sitzt. Er erklärt, im Interview, wie er mit der Krankheit umgegangen ist und wie er die Lage einschätzt:

Wie geht es Ihnen heute?
 
Mir geht es bestens, wobei ich sagen muss, dass ich zu keiner Zeit größere Beschwerden verspürt habe. Mich hat allerdings die Sorge um die Menschen in meinem Umfeld und die Kollegen in unserem Unternehmen sehr mitgenommen. Es ist ein unschönes Gefühl, als infizierte Person zu gelten und damit potenziell ansteckend zu sein. Umso mehr freue ich mich, heute zu den ersten 500 Menschen in Deutschland zu zählen, die nach einer Infektion offiziell aus ihrer Quarantäne entlassen werden konnten und nun ihre Arbeit wieder voll aufnehmen können. Ich bin sehr froh, dass ich die Erkrankung ohne große Probleme überstanden habe.
 
Als jemand, den es selbst getroffen hat: Wie schauen Sie auf die Entwicklung der Corona-Situation?
 
Ich bin davon überzeugt, dass Corona unser Leben maßgeblich und nachhaltig verändern wird, insbesondere die Globalisierung wird durch die Geschehnisse erheblich beeinflusst werden. Unsere Wirtschaft und alles, was damit zusammenhängt, wird diese Situation nur einige Monate durchhalten können, denn die Kreditwürdigkeit eines Staates basiert letztlich auf der Leistungskraft seiner Wirtschaft. An dieser Stelle möchte ich aber nochmals betonen, dass es jetzt extrem wichtig ist, sich an die Anweisungen unserer Bundesregierung zu halten, sodass unser hochwertiges Gesundheitssystem nicht zusammenbricht. Die Welt erlebt gerade einen Neustart, als wenn einer gerade den Reset-Knopf am Computer gedrückt hat. Und bei jedem Neustart geht etwas verloren oder ändert sich. Ich glaube an unser System und wünsche uns allen viel Kraft und Stärke in dieser für uns alle unbekannten Situation.
 
Wo haben Sie sich angesteckt und wann haben Sie erste Symptome bemerkt (oder überhaupt welche gehabt)?
 
Ich hatte zunächst überhaupt keine Symptome. Ich bekam nur die Info, dass möglicherweise eine Person in dem Lokal, in dem ich mich in Österreich mit Geschäftsfreunden aufgehalten hatte, mit Corona infiziert gewesen sei und dass dort eventuell eine Ansteckungsgefahr bestanden haben könnte. In Abstimmung mit diesen Geschäftspartnern haben wir uns daraufhin sofort alle in freiwillige Quarantäne begeben. Ich bin sofort in meine Wohnung in Hamburg gefahren und dort geblieben. Als ich einige Tage später dann ganz leichtes Fieber bekam und Symptome wie bei einer sehr schwachen Grippe verspürte, bekam ich einen Test und wurde von Amts wegen in häusliche Quarantäne versetzt. Wesentlich Symptome waren für mich Geruchs- und Geschmacklosigkeit sowie die Kurzatmigkeit bei Anstrengungen.
 
Wie haben Sie die eigene Quarantäne erlebt?
 
14 Tage in häuslicher Quarantäne sind schon hart, zumal ich genau in dieser Phase eigentlich besonders gebraucht wurde. Ich hatte gute und schlechte Phasen und Erlebnisse, musste mich aber mit dieser Situation abfinden. Aus meinem Home-Office habe ich eigentlich durchgehend telefoniert und sehr effektiv gearbeitet. Ich bin stolz auf meine Familie und unsere Mitarbeiter, dass alle in dieser Zeit an mich gedacht haben und ein höchstes Maß an Leistung für unser Familienunternehmen erbracht haben.
 
 
Welche Maßnahmen haben Sie dann getroffen - privat und in der Firma? Wieso ist es innerbetrieblich nicht zu einer Quarantänewelle gekommen? Hatten Sie keinen Kontakt zu Mitarbeitern vor dem Ergebnis?
 
Als ich das positive Ergebnis per Telefon vom Gesundheitsamt erfuhr, befand ich mich ja schon vorsichtshalber seit Tage in freiwilliger Quarantäne. Wir haben dann natürlich weitere umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Alle Personen, mit denen ich in der kurzen Phase bis zur Quarantäne Kontakt hatte, haben wir dann umgehend und auch ohne Symptome vorsichtshalber in häusliche Quarantäne beschickt. Meine Familie gehörte übrigens nicht zu den Kontaktpersonen. Bis auf einen Kollegen, mit dem ich wirklich intensiv zusammengearbeitet hatte, erhielten alle ein negatives Ergebnis und haben Ihre Arbeit im Büro inzwischen wieder voll aufgenommen.
 
Nachdem Sie davon erfahren haben, dass Sie positiv waren, haben Sie die Vorsichtsmaßnahmen in der Firma nochmal verschärft?
 
Da ich zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Ausbreitung der Corona-Epidemie infiziert wurde, fielen die Maßnahmen, die allgemein getroffen wurden, mit denen, die aufgrund meiner Erkrankung geprüft wurden, etwa in die gleiche Zeit. Wir haben sofort eine ganze Reihe an Maßnahmen ergriffen, um unsere Mitarbeiter und damit auch unser Unternehmen zu schützen. Die fallen je nach Arbeitsbereich sehr unterschiedlich aus. Natürlich muss ein Fahrer mit Kundenkontakt anders reagieren als ein Mitarbeiter in der Buchhaltung. Ein Kollege in der Küche anders als der Außendienstler im Verkauf und die Mitarbeiter in der Produktion anders als die Kassiererin in der Tankstelle. Da gab es eine Menge zu tun und wir passen die Maßnahmen täglich den sich ändernden Bedürfnissen und Vorschriften an.
 
Hoyer ist eine sehr große Firma. Ist es da überhaupt möglich, sich komplett vor dem Coronavirus zu schützen?
 
Ich glaube, jeder, der die Nachrichten verfolgt, weiß, dass eine Infektion viele von uns treffen wird. Wir sind da mit zwei Infektionen bei fast 1.900 Mitarbeitern offensichtlich bislang den richtigen Weg gegangen, denn wir haben den Betrieb weiterhin in vollem Umfang am Laufen: Unsere Lkw-Fahrer sind mit Hochdruck dabei, dafür zu sorgen, dass alle Menschen mit Heizöl, Holzpellets oder Flüssiggas versorgt werden, damit sie nicht im Kalten sitzen müssen. Gleichzeitig ist die Belieferung der Landwirtschaft mit Diesel und Schmierstoffen für die anstehende Frühjahrsbestellung voll angelaufen. Ohne eine Aussaat fehlt uns später die Ernte. Und schließlich halten wir mit unseren Tankstellen und Betriebslieferungen mit Diesel und AdBlue® die Logistik in Gang. Ohne sie würde kein neues Klopapier in die Regale kommen.
 
Wie läuft der Betrieb aktuell?
 
So merkwürdig das klingen mag: Im Prinzip wie immer. Alle Betriebszweige funktionieren einwandfrei, allerdings unter deutlich verschärften Sicherheitsbestimmungen. So ist der Zutritt zu unserem Betriebsgelände nur noch für Lieferanten möglich. Am Pförtnerhäuschen gibt es weiterhin Flüssiggas und technische Gase zur Abholung, allerdings haben wir den Werksverkauf von Kleingebinden eingestellt. An unseren Tankstellen haben wir auf Anweisung der Behörden die Gastro-Bereiche geschlossen und die Küchen auf die Zubereitung von Mahlzeiten für den Außer-Haus-Verkauf umgestellt. Das gilt zunächst auch für die Autohöfe, wobei wir einen Antrag auf Sondergenehmigung gestellt haben, um den Lkw-Fahrern, die ja die Versorgung der Bevölkerung garantieren, die Möglichkeit zu geben, ihre Mahlzeiten zwar unter Sicherheitsauflagen, aber doch in vernünftiger Umgebung zu genießen.
 
Sind nicht gerade die Lkw-Fahrer einem hohen Risiko ausgesetzt? Wie werden sie geschützt und wie schützen Sie die Tankstellenmitarbeiter? 
 
Jeder, der angesichts der historisch günstigen Ölpreise Heizöl bestellt hat, wartet jetzt auf den Tag, an dem die Ware geliefert wird. Und jeder sagt sich: Bei mir ist das ja unproblematisch. Ich bin ja nicht krank. Das sieht aus Sicht des Fahrers natürlich anders aus. Deshalb bitten wir um Verständnis, dass unsere Fahrer gehalten sind, zum eigenen Schutz und zum Schutz der Kunden die Belieferung mit der nötigen Distanz vorzunehmen. Da wird auf das frühere Händeschütteln ebenso verzichtet wie auf den Klönschnack während des Füllvorgangs. Und wenn es länger dauert, bis der Anruf kommt, dass die bestellte Ware geliefert wird, so liegt das nicht daran, dass unsere Fahrer krank wären, sondern an der unglaublich großen Menge, die zu den günstigen Preisen bestellt wurde. Aber wir können beruhigen. Jeder bekommt die bestellte Ware zum vereinbarten Preis. An den Tankstellen gelten die gleichen Abstandsregeln und an den Kassen wurden Plexiglasplatten angebracht, um vor dem unbeabsichtigten Nieser oder der feuchten Aussprache zu schützen. Wer zudem statt mit Bargeld mit Karte zahlt, hilft den Kolleginnen und Kollegen, sich zu schützen und so den Betrieb aufrechtzuerhalten.
 
Haben Sie Sorgen, wie sich die Corona-Krise auf die Firma Hoyer auswirken könnte (wirtschaftlich)?
 
Wer sich angesichts dieser weltweiten Krise keine Gedanken um die wirtschaftlichen Auswirkungen macht, hat den Ernst der Lage noch nicht verstanden. Selbstverständlich sind auch wir in Sorge, wie das ausgeht. Wir sind in Sorge um jeden unserer Mitarbeiter und seine Angehörigen. Wir sind in Sorge um die wirtschaftliche Situation unserer Kunden und Partner und uns ist sehr bewusst, dass nicht alle diese ausgesprochen schwierige Situation wirtschaftlich überleben werden. Das wird auch auf unseren Betrieb Auswirkungen haben, auch wenn wir sicher sind, dass wir als starkes Familienunternehmen die nötige Kraft haben, die Krise als zuverlässiger Lieferant, Partner und Arbeitgeber zu überstehen. Wie allerdings die Zeit nach Corona aussehen wird, das bleibt abzuwarten, denn wir sind als Händler und Tankstellenbetreiber vor Ort ebenso mit der Region verbunden, wie wir als weltweit tätiges Handelsunternehmen in globale Beziehungen verflochten sind. Abschließend möchte ich noch sagen, dass sämtliche großen und kleinen Investitionen bei Hoyer in vollem Umfang wie geplant umgesetzt werden, selbst die Installation der Klimaanlage für den gesamten Verwaltungskomplex in Visselhövede werden wir weiterführen. Wie glauben an uns und unsere Leistungsstärke.

Ein Video-Statement von Thomas Hoyer gibt es bei Youtube